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Gründungsleitfaden Biergarten

Biergarten eröffnen: Voraussetzungen, Lärmschutz & wahre Kosten 2026

Ein Biergarten ist rechtlich komplexer als ein normales Restaurant. Neben der Gaststättenkonzession kämpfen Gründer vor allem mit dem Bauamt, dem Straßenverkehrsamt und – als größtem Endgegner – dem Lärmschutz. Wir klären auf: welche Genehmigungen du wirklich brauchst, warum die TA Lärm über Erfolg oder Scheitern entscheidet und wie du mit einem Brauereivertrag deine Startkosten senkst.

  • Gaststättenkonzession zwingend erforderlich (Alkohol + Sitzplätze)
  • TA Lärm: 22-Uhr-Sperrstunde im Außenbereich oft Pflicht
  • Brauereivertrag: Möbel & Zapfanlage kostenlos gegen Exklusivität
  • Kosten ab 46.500 € & AVGS-Förderung möglich

Lohnt sich ein eigener Biergarten?

Ein Biergarten ist ein hochprofitables, aber extrem saisonales Geschäft. In Deutschland dauert die Saison in der Regel von April bis Oktober. In diesen sechs Monaten musst du genug Umsatz erwirtschaften, um deine Fixkosten (Pacht, Versicherungen) für das ganze Jahr zu decken.

Strategien gegen das Wetterrisiko

  • Wetterfeste Bereiche: Große Schirme, Markisen oder fest installierte Pavillons mit Heizpilzen verlängern die Saison an kühlen Abenden.
  • Winterkonzepte: Viele Biergärten verwandeln sich im November und Dezember in kleine Wintermärkte mit Glühweinstand, Eisstockschießen oder beheizten Almhütten.
  • Brauereiverträge: Um das hohe Startkapital für Möbel und Zapfanlagen zu senken, schließen viele Gründer einen Bierlieferungsvertrag mit einer Brauerei ab. Die Brauerei stellt das Equipment kostenlos, dafür musst du dich für mehrere Jahre exklusiv an ihr Bier binden.

Die Meister-Frage: Brauche ich einen Meisterbrief?

Die Antwort ist einfach: Nein. Die Gastronomie ist kein zulassungspflichtiges Handwerk. Du brauchst weder einen Meisterbrief noch eine abgeschlossene Ausbildung als Koch oder Restaurantfachmann, um einen Biergarten zu eröffnen. Wenn du Quereinsteiger bist und keine gastronomische Ausbildung hast, musst du für die Beantragung der Konzession jedoch einen IHK-Unterrichtungsnachweis erbringen.

Stadtplaner prüft TA-Lärm-Unterlagen und Baugenehmigungsanträge für einen Biergarten – Lärmschutz Biergarten

Konzession & Lärmschutz: Die zwei größten Hürden

Die Gaststättenkonzession

Da du in einem Biergarten Alkohol ausschenkst und Sitzplätze anbietest, brauchst du zwingend eine Gaststättenerlaubnis (Konzession) nach § 2 Gaststättengesetz (GastG). Die Erteilung ist an drei Voraussetzungen geknüpft:

Persönliche Zuverlässigkeit: Nachweis durch polizeiliches Führungszeugnis, Auszug aus dem Gewerbezentralregister und Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamtes.
Fachliche Eignung: Nachweis durch Ausbildung oder IHK-Unterrichtung.
Räumliche Eignung: Das Amt prüft, ob ausreichend Toiletten vorhanden sind und die Hygienevorschriften eingehalten werden können.

Achtung: 8 bis 12 Wochen Bearbeitungszeit!

Die Bearbeitung der Konzession dauert oft 8 bis 12 Wochen. Beantrage sie sofort, nachdem du den Pachtvertrag unterschrieben hast!

Die TA Lärm und die 22-Uhr-Sperrstunde

Der Lärmschutz ist der häufigste Grund, warum Biergärten scheitern oder gar nicht erst genehmigt werden. In Deutschland gilt die TA Lärm (Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm). Sie legt strenge Richtwerte fest:

In reinen Wohngebieten dürfen tagsüber 50 dB(A) und nachts (ab 22 Uhr) nur 35 dB(A) erreicht werden.
In Mischgebieten sind es tagsüber 60 dB(A) und nachts 45 dB(A).
Liegt dein Biergarten in der Nähe von Wohnhäusern, musst du um 22 Uhr den Betrieb im Außenbereich oft komplett einstellen (Sperrstunde).
Musik (Außenbeschallung) ist in Biergärten fast immer streng verboten oder nur mit extremen Auflagen und GEMA-Gebühren erlaubt.

Sondernutzungserlaubnis vs. Baugenehmigung

Wo genau stehen deine Tische?

Öffentlicher Grund: Wenn du Tische auf dem Gehweg, einem öffentlichen Platz oder in einer Fußgängerzone aufstellst, brauchst du eine Sondernutzungserlaubnis deiner Stadt. Diese kostet eine jährliche Gebühr (oft pro Quadratmeter) und kann jederzeit widerrufen werden.
Privater Grund: Wenn der Biergarten auf einem Privatgrundstück liegt (z. B. im Hinterhof deines Restaurants), brauchst du eine Baugenehmigung für die Nutzungsänderung der Freifläche. Auch für fest installierte Schirme, Zäune oder Pavillons ist oft ein Bauantrag nötig.
Zwei Geschäftsleute schütteln Hände über einen Brauereivertrag mit Zapfanlage und Fässern im Hintergrund – Brauereivertrag Biergarten

Der Bayern-Mythos & In 5 Schritten zum eigenen Biergarten

Darf man Essen in den Biergarten mitbringen?

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Gäste in jedem Biergarten ihr eigenes Essen mitbringen dürfen. Dieses Recht gilt nur in Bayern! Die Bayerische Biergartenverordnung von 1999 schützt die Tradition der echten Biergärten. In allen anderen Bundesländern (NRW, Berlin, Hessen etc.) gibt es dieses Gesetz nicht. Hier entscheidet allein der Wirt über sein Hausrecht.

In 5 Schritten zum eigenen Biergarten

1

Standortprüfung & Lärmschutz

Bevor du einen Pachtvertrag unterschreibst, kläre mit dem Bauamt und dem Umweltamt, ob an diesem Standort ein Biergarten genehmigungsfähig ist (Stichwort: TA Lärm und Nachbarn!).

2

Konzession & Genehmigungen beantragen

Beantrage die Gaststättenkonzession, die Baugenehmigung (für Privatgrund) oder die Sondernutzungserlaubnis (für öffentlichen Grund).

3

Finanzierung & Brauereivertrag

Kalkuliere dein Startkapital. Verhandle mit Brauereien über einen Bierlieferungsvertrag, um Möbel, Schirme und Zapfanlagen gestellt zu bekommen.

4

Hygiene & Personal

Absolviere die IfSG-Belehrung (das ehemalige 'Gesundheitszeugnis') beim Gesundheitsamt. Erstelle ein HACCP-Konzept für deine Küche/Grillstation.

5

Kassensystem & Eröffnung

Besorge dir eine wetterfeste, mobile Registrierkasse mit Technischer Sicherheitseinrichtung (TSE). Melde dich bei der Berufsgenossenschaft (BGN) an.

BGN: Pflichtanmeldung

Als Biergarten-Betreiber bist du gesetzlich verpflichtet, deinen Betrieb bei der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) anzumelden. Sie ist der Träger der gesetzlichen Unfallversicherung für alle Gastronomiebetriebe.

→ Mehr dazu: Versicherungen für Selbstständige

Traditioneller deutscher Biergarten mit Biertischgarnituren, großen Sonnenschirmen und Kastanienbäumen im goldenen Abendlicht – Biergarten Ausstattung

Die richtige Rechtsform für deinen Biergarten

Für einen kleinen Biergarten starten viele Gründer als Einzelunternehmen – das ist schnell und günstig. Wer jedoch größere Risiken absichern möchte, sollte eine UG (haftungsbeschränkt) oder GmbH in Betracht ziehen.

RechtsformHaftungStartkapitalEignung
EinzelunternehmenUnbeschränkt (auch Privatvermögen)Kein MindestkapitalSchnell gegründet, für kleine saisonale Biergärten mit überschaubarem Risiko.
GbRUnbeschränkt (alle Gesellschafter solidarisch)Kein MindestkapitalFür Gründerteams möglich, aber alle Partner haften mit dem Privatvermögen.
UG (haftungsbeschränkt)Beschränkt auf GesellschaftsvermögenAb 1 € (praktisch 3.000–5.000 €)Guter Einstieg mit Haftungsschutz. Günstig in der Gründung, aber mit Pflicht zur Rücklagenbildung.
GmbHBeschränkt auf Gesellschaftsvermögen25.000 €Schützt das Privatvermögen und wirkt professionell gegenüber Banken und Brauereien.

→ Mehr dazu in unserem Ratgeber: Rechtsform wählen

Was kostet es, einen Biergarten zu eröffnen?

Die Kosten hängen extrem davon ab, ob du eine bestehende Fläche übernimmst oder eine leere Wiese komplett neu erschließen musst (Strom, Wasser, Abwasser, Toilettencontainer!). Die folgende Tabelle gibt einen realistischen Überblick für die Neugründung eines mittelgroßen Biergartens (ca. 50–150 Sitzplätze), wenn du keinen Brauereivertrag abschließt und alles selbst kaufst. Mit einem Brauereivertrag kannst du die Kosten für Möbel und Schanktechnik oft auf null reduzieren, zahlst dafür aber langfristig höhere Bierpreise im Einkauf.

KostenpunktGeschätzte Kosten
Pacht & Kaution (oft 3 Monatspachten im Voraus)5.000 € – 25.000 €
Umbau & Gestaltung (Kies, Zäune, Beleuchtung, Strom/Wasser)10.000 € – 40.000 €
Möbel & Ausstattung (Biertischgarnituren, große Sonnenschirme)8.000 € – 30.000 €
Küchen- & Schanktechnik (Grill, Kühlzellen, Zapfanlage)5.000 € – 20.000 €
Kassensystem (mobile Handhelds inkl. TSE-Zertifizierung)1.500 € – 4.000 €
Genehmigungen (Konzession, Bauantrag, Lärmgutachten)1.000 € – 5.000 €
Branding & Marketing (Schilder, Website, Speisekarten)1.000 € – 3.000 €
Liquiditätsreserve (Puffer für Regentage und den Winter!)15.000 € – 40.000 €
Gesamtkapitalbedarf für den Startca. 46.500 € – 167.000 €

Unser Tipp: Kostenlose Beratung für deinen Businessplan

Ein Biergarten ist ein saisonales Geschäft. Dein Businessplan muss beweisen, dass du in sechs Sommermonaten genug Geld verdienst, um das ganze Jahr davon zu leben. Die Bank wird hier besonders kritisch auf deine Liquiditätsplanung schauen. Wenn du aktuell arbeitslos gemeldet bist (ALG I oder Bürgergeld), kannst du einen AVGS-Gutschein bei der Agentur für Arbeit beantragen – die Kosten für professionelle Gründungsberatung werden zu 100 % vom Staat übernommen.

FAQ – Häufige Fragen zur Gründung eines Biergartens

Brauche ich für einen Biergarten eine Konzession?+
Ja. Da du in einem Biergarten alkoholische Getränke ausschenkst und Sitzplätze anbietest, ist eine Gaststättenkonzession nach § 2 GastG zwingend erforderlich.
Darf ich im Biergarten Musik spielen?+
In der Regel nein. Außenbeschallung ist in Deutschland aus Lärmschutzgründen (TA Lärm) fast überall verboten oder nur mit strengen Auflagen und Ausnahmegenehmigungen erlaubt. Zudem fallen GEMA-Gebühren an.
Was ist der Unterschied zwischen Sondernutzungserlaubnis und Baugenehmigung?+
Wenn dein Biergarten auf öffentlichem Grund (z. B. Gehweg) liegt, brauchst du eine Sondernutzungserlaubnis der Stadt. Liegt er auf einem Privatgrundstück, benötigst du eine Baugenehmigung für die Nutzungsänderung der Fläche.
Brauche ich ein Gesundheitszeugnis für den Biergarten?+
Nein, das 'Gesundheitszeugnis' wurde 2001 abgeschafft. Du und alle Mitarbeiter, die mit offenen Lebensmitteln (z. B. am Grill oder beim Bierzapfen) arbeiten, benötigen stattdessen eine Belehrung nach § 43 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) vom Gesundheitsamt.
Darf jeder Gast sein eigenes Essen in den Biergarten mitbringen?+
Nein. Dieses Recht ist durch die Biergartenverordnung gesetzlich nur in Bayern verankert. In allen anderen Bundesländern entscheidet der Wirt über sein Hausrecht, ob er mitgebrachte Speisen erlaubt oder verbietet.

Bereit, deinen Biergarten zu eröffnen?

Die Finanzierung und ein überzeugender Businessplan sind oft die größten Hürden. Wenn du aktuell arbeitslos gemeldet bist, hast du die Möglichkeit, einen AVGS-Gutschein bei der Agentur für Arbeit zu beantragen – die Kosten für dein Gründungscoaching werden zu 100 % vom Staat übernommen.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts‑, Steuer‑ oder Finanzberatung. FoundingFits bietet keine Rechtsberatung oder Steuerberatung an. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an einen Steuerberater, Rechtsanwalt oder eine andere fachkundige Stelle. Alle Angaben ohne Gewähr.