Marktanalyse erstellen: Anleitung und Checkliste
Eine fundierte Marktanalyse zeigt, ob deine Geschäftsidee auf echte Nachfrage trifft. In diesem Leitfaden erfährst du Schritt für Schritt, wie du Zielmarkt, Marktvolumen, Wettbewerb und Marktpotenzial systematisch untersuchst – mit konkreten Datenquellen und einer Checkliste zum Abhaken.

Was ist eine Marktanalyse und warum ist sie wichtig?
Eine Marktanalyse ist die systematische Untersuchung des Markts, in dem du mit deiner Geschäftsidee aktiv werden willst. Du erfasst Marktgröße, Marktentwicklung, Zielgruppe, Wettbewerber und Marktpotenzial – und leitest daraus ab, ob dein Vorhaben wirtschaftlich tragfähig ist.
Im Businessplan gehört die Marktanalyse zu den wichtigsten Kapiteln. Banken, Investoren und Förderstellen wie die Agentur für Arbeit prüfen anhand deiner Analyse, ob du deinen Markt verstehst und realistische Umsatzerwartungen hast.
Wofür brauchst du eine Marktanalyse?
- Nachfrage prüfen: Gibt es genug Kunden für dein Angebot?
- Wettbewerb einordnen: Wer sind deine Konkurrenten und was unterscheidet dich?
- Preise kalkulieren: Welche Preisspanne akzeptiert dein Markt?
- Businessplan stärken: Zahlen und Fakten überzeugen Banken und Förderstellen.
- Risiken erkennen: Markteintrittsbarrieren und Trends frühzeitig einschätzen.
- Gründungszuschuss sichern: Die Tragfähigkeitsbescheinigung erfordert eine plausible Markteinschätzung.
Marktanalyse erstellen in 5 Schritten
Eine gute Marktanalyse folgt einer klaren Struktur. Die folgenden fünf Schritte führen dich vom groben Marktüberblick bis zur konkreten Umsatzprognose – genau so, wie es Banken und Investoren erwarten.

Schritt 01: Zielmarkt und Zielgruppe definieren
Grenze deinen Markt geografisch, demografisch und thematisch ein. Beschreibe deine ideale Kundschaft so konkret wie möglich – Alter, Branche, Kaufkraft, Bedürfnisse. Je enger der Fokus, desto belastbarer werden alle folgenden Zahlen.
Schritt 02: Marktgröße und Marktvolumen berechnen
Ermittle das Gesamtvolumen deines Zielmarkts (TAM), den erreichbaren Teilmarkt (SAM) und den realistisch adressierbaren Anteil (SOM). Nutze Branchenberichte, Statistisches Bundesamt oder Statista als Datenquellen.
Schritt 03: Marktentwicklung und Trends analysieren
Untersuche, wie sich dein Markt in den letzten drei bis fünf Jahren entwickelt hat. Wächst er, stagniert er oder schrumpft er? Identifiziere Trends wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit oder demografischen Wandel, die dein Geschäftsmodell beeinflussen.
Schritt 04: Wettbewerbsanalyse durchführen
Identifiziere deine direkten und indirekten Wettbewerber. Analysiere deren Stärken, Schwächen, Preismodelle und Marktposition. Nutze Porters Fünf Kräfte als Framework: Wettbewerber, neue Anbieter, Ersatzprodukte, Verhandlungsmacht von Kunden und Lieferanten.
Schritt 05: Marktpotenzial und eigenen Marktanteil einschätzen
Berechne dein realistisches Umsatzpotenzial auf Basis von Marktvolumen, Wachstumsrate und Wettbewerbsintensität. Leite daraus deinen angestrebten Marktanteil ab – konservativ, realistisch und optimistisch.
Formeln für die Marktanalyse
Marktvolumen = Anzahl potenzieller Kunden × Durchschnittspreis × Kaufhäufigkeit pro Jahr
Marktpotenzial = Marktvolumen × erwartete Wachstumsrate
Marktanteil = Eigener Umsatz ÷ Marktvolumen × 100
Wettbewerbsanalyse: Konkurrenz richtig einordnen
Die Wettbewerbsanalyse ist einer der sensibelsten Teile deiner Marktanalyse. Hier zeigst du, dass du deine Konkurrenz kennst – und weißt, wie du dich abgrenzt. Nutze Porters Fünf Kräfte als Framework, um den Wettbewerb systematisch zu erfassen.
Analysiere bei jedem relevanten Wettbewerber: Angebot, Preise, Zielgruppe, Stärken und Schwächen. Erstelle eine Vergleichstabelle, die dein Alleinstellungsmerkmal sichtbar macht. Eine ehrliche SWOT-Analyse stärkt die Glaubwürdigkeit deines Businessplans.
Porters Fünf Kräfte im Überblick
- Intensität des bestehenden Wettbewerbs
- Bedrohung durch neue Marktteilnehmer
- Verhandlungsmacht der Kunden
- Verhandlungsmacht der Lieferanten
- Bedrohung durch Ersatzprodukte

Datenquellen für deine Marktanalyse
Gute Marktforschung verbindet Sekundärdaten (bestehende Studien und Statistiken) mit Primärdaten (eigene Befragungen und Beobachtungen). Die folgende Tabelle zeigt dir die wichtigsten Quellen im Überblick.
| Quelle | Was sie liefert |
|---|---|
| Statistisches Bundesamt (Destatis) | Branchen-, Umsatz- und Bevölkerungsdaten |
| Statista | Marktstudien, Branchenberichte, Infografiken |
| IHK-Branchenreports | Regionale Marktdaten und Branchentrends |
| Bundesanzeiger | Jahresabschlüsse von Wettbewerbern (Kapitalgesellschaften) |
| Google Trends | Suchinteresse und saisonale Nachfrage |
| Handelsregister | Anzahl und Art der Wettbewerber in deiner Region |
| Eigene Befragungen | Primärdaten zu Kundenbedürfnissen und Zahlungsbereitschaft |
Beispiel: Marktanalyse für ein lokales Café

Angenommen, du planst ein Spezialitätencafé in einer mittelgroßen Stadt. So könnte deine Marktanalyse in Kurzform aussehen:
- Zielmarkt:Innenstadtbereich, 5 km Radius, ca. 45.000 Einwohner, Fokus auf 25- bis 55-Jährige mit Interesse an hochwertigem Kaffee.
- Marktgröße:Kaffeemarkt Deutschland ca. 20 Mrd. € p.a. (Statista). Lokaler Teilmarkt: ca. 12.000 potenzielle Stammkunden × 4 € × 100 Besuche/Jahr = 4,8 Mio. € Marktvolumen.
- Trends:Specialty Coffee wächst seit 2020 um ca. 8 % jährlich. Nachhaltigkeit und faire Lieferketten gewinnen an Bedeutung.
- Wettbewerb:3 direkte Wettbewerber im Radius, davon keiner mit Rösterei vor Ort. Indirekt: Bäckereien, Schnellrestaurants.
- Potenzial:Angestrebter Marktanteil im ersten Jahr: 3 % = ca. 144.000 € Umsatz. Realistisch bei eigener Röstung als Alleinstellungsmerkmal.
Häufige Fehler bei der Marktanalyse
Zielmarkt zu breit definiert
Wer „alle“ als Zielgruppe angibt, überzeugt niemanden. Je konkreter du den Markt eingrenzt, desto glaubwürdiger werden deine Zahlen.
Nur Sekundärdaten ohne eigene Recherche
Branchenberichte liefern den Rahmen – aber ohne eigene Gespräche mit potenziellen Kunden fehlt dir die Bodenhaftung.
Wettbewerb unterschätzt oder ignoriert
„Wir haben keine Konkurrenz“ ist ein Warnsignal. Jede Geschäftsidee hat Alternativen – und Banken wissen das.
Veraltete Datenquellen verwendet
Zahlen von vor drei Jahren bilden die Realität nicht ab. Achte auf aktuelle Quellen und nenne immer das Erhebungsjahr.
Marktpotenzial ohne Rechenweg
Behauptungen wie „der Markt hat Milliarden-Potenzial“ wirken ohne nachvollziehbare Herleitung unseriös.
Checkliste: Ist deine Marktanalyse vollständig?
- Zielmarkt geografisch, demografisch und thematisch eingegrenzt
- Zielgruppe mit konkreten Merkmalen beschrieben
- Marktvolumen mit nachvollziehbarer Rechnung beziffert
- Marktentwicklung der letzten 3–5 Jahre dokumentiert
- Relevante Trends identifiziert und bewertet
- Direkte und indirekte Wettbewerber analysiert
- Eigenes Alleinstellungsmerkmal herausgearbeitet
- Marktpotenzial und angestrebter Marktanteil berechnet
- Datenquellen genannt und Erhebungsjahr angegeben
- SWOT-Analyse oder Stärken-Schwächen-Vergleich erstellt
- Markteintrittsbarrieren und Risiken benannt
- Ergebnisse in den Finanzplan überführt
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Jetzt Erstgespräch buchenMarktanalyse im Businessplan: Was Banken und Förderstellen erwarten
Die Marktanalyse ist mehr als ein Pflichtkapitel im Businessplan. Sie ist der Nachweis, dass du deinen Markt verstehst und dein Umsatzpotenzial realistisch einschätzt. Für den Gründungszuschuss und die Tragfähigkeitsbescheinigung ist eine plausible Markteinschätzung Voraussetzung.
Banken achten besonders auf: nachvollziehbare Zahlen mit Quellenangaben, eine realistische Wettbewerbseinschätzung und einen konservativen Finanzplan, der auf den Marktdaten aufbaut. Übertreibungen bei Marktanteil oder Umsatzprognose sind kontraproduktiv.
Im Existenzgründercoaching erarbeiten wir Marktanalyse und Finanzplan gemeinsam – so dass beide Teile deines Businessplans konsistent und überzeugend sind. Auch für Gründungen im Handwerk oder mit KfW-Gründerkredit ist eine fundierte Marktanalyse entscheidend.
FAQ zur Marktanalyse
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