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Gründungsleitfaden Burgerladen

Burgerladen eröffnen: Voraussetzungen, Konzession & wahre Kosten 2026

Viele Ratgeber verbreiten veraltetes Wissen – etwa die angebliche Pflicht zu einem "Gesundheitszeugnis", das es seit über 20 Jahren nicht mehr gibt. Wir räumen mit den größten Irrtümern auf: wann du wirklich eine Konzession brauchst, warum Fettabscheider und Abluftanlage die teuersten Fallen sind und mit welchen Kosten du realistisch rechnen musst.

  • Kein Meisterbrief als Koch erforderlich
  • Konzession nur bei Alkohol + Sitzplätzen nötig
  • Fettabscheider & Abluftanlage: die teuersten Fallen
  • Kosten ab 49.000 € & AVGS-Förderung möglich

Lohnt sich ein eigener Burgerladen?

Der Burger-Hype ist längst kein kurzfristiger Trend mehr, sondern ein fester Bestandteil der deutschen Gastronomie-Landschaft. Um sich heute noch gegen die Konkurrenz (und große Franchise-Ketten) durchzusetzen, braucht es jedoch ein spitzes Konzept.

Erfolgreiche Burgerladen-Konzepte

  • Smash Burger: Der absolute Megatrend. Statt dicker Patties werden dünne Fleischkugeln auf einer heißen Grillplatte extrem flach gedrückt. Das sorgt für eine knusprige Kruste (Maillard-Reaktion) und spart teures Küchenequipment, da keine Fritteusen für das Fleisch benötigt werden.
  • Ghost Kitchens (Dark Kitchens): Ein Burgerladen komplett ohne Gastraum. Du mietest nur eine Gewerbeküche und verkaufst ausschließlich über Lieferdienste. Das spart enorm viel Miete und Personal, erfordert aber ein exzellentes Online-Marketing.
  • Premium & Vegan: Hochwertiges regionales Fleisch (Dry Aged) oder komplett pflanzliche Patties, die geschmacklich nicht mehr von Fleisch zu unterscheiden sind.
Koch drückt einen Smash Burger Patty auf einer heißen Grillplatte – Smash Burger Burgerladen eröffnen

Die wichtigste Hürde: Die Gaststättenkonzession

Brauche ich als Koch einen Meisterbrief?

Nein. Der Beruf des Kochs ist in Deutschland kein zulassungspflichtiges Handwerk. Jeder darf einen Burgerladen eröffnen, völlig unabhängig von seiner beruflichen Qualifikation. Quereinsteiger ohne Ausbildung im Lebensmittelhandwerk müssen jedoch für die Konzession einen IHK-Unterrichtungsnachweis erbringen (ca. 50–150 Euro).

Burger-Imbiss vs. Fast-Casual Burgerladen

Die wichtigste Frage lautet: Verkaufst du Alkohol und bietest du Sitzplätze an?

Burger-Imbiss (Take-away, kein Alkohol): Wenn du deine Burger ausschließlich zum Mitnehmen oder über Lieferdienste verkaufst und keinen Alkohol anbietest, brauchst du keine Gaststättenkonzession. Eine einfache Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt reicht aus.
Fast-Casual Burgerladen (Sitzplätze + Alkohol): Sobald du auch nur ein Craft Beer oder einen Wein ausschenkst UND Sitzplätze für den Verzehr vor Ort anbietest, brauchst du zwingend eine Gaststättenerlaubnis (Konzession) nach § 2 GastG.

Die Erteilung der Konzession ist an drei Voraussetzungen geknüpft: persönliche Zuverlässigkeit (Führungszeugnis, Gewerbezentralregister, Unbedenklichkeitsbescheinigung Finanzamt), fachliche Eignung (Berufsausbildung oder IHK-Unterrichtungsnachweis) und räumliche Eignung (Hygienevorschriften, Toiletten, Barrierefreiheit).

Achtung: Vorlaufzeit 8–12 Wochen!

Die Bearbeitung der Konzession dauert oft 8 bis 12 Wochen. In dieser Zeit zahlst du bereits Miete für dein Lokal, darfst aber noch nicht öffnen! Sonderregel Baden-Württemberg: Ab dem 01.01.2026 entfällt die klassische Konzession – es reicht eine Anzeige beim Gewerbeamt in Kombination mit dem Sachkundenachweis.

IfSG-Belehrung statt "Gesundheitszeugnis"

Das oft zitierte "Gesundheitszeugnis" wurde bereits im Jahr 2001 abgeschafft! Heute benötigst du stattdessen eine Belehrung nach § 43 IfSG – für dich und alle Mitarbeiter zwingend vorgeschrieben. Zudem musst du ein lückenloses HACCP-Konzept zur Lebensmittelhygiene dokumentieren.

Modernes Fast-Casual Burger-Restaurant Interieur mit Industriedesign und Neon-Schildern – Burgerladen eröffnen

Bauliche Tücken & In 5 Schritten zum eigenen Burgerladen

Fettabscheider und Gastro-Lüftung

Burger braten und Pommes frittieren bedeutet: Fett, Rauch und Gerüche. Hier kennt das Bauamt kein Pardon.

Fettabscheider: In fast allen Gemeinden ist ein Fettabscheider Pflicht, bevor das Abwasser aus der Gastro-Küche in die Kanalisation fließen darf. Der nachträgliche Einbau kann 10.000 bis 20.000 Euro kosten.
Abluftanlage: Eine professionelle Gastro-Lüftung, die Gerüche über das Dach des Gebäudes abführt, ist zwingend erforderlich. Ein einfacher Aktivkohlefilter reicht in den seltensten Fällen aus, wenn du mit offenen Grillplatten arbeitest.

In 5 Schritten zum eigenen Burgerladen

1

Konzept & Businessplan

Definiere dein Konzept (Smash Burger, Premium, Vegan) und kalkuliere deine Preise. Achtung: Wenn du über Lieferando & Co. verkaufst, musst du 25 bis 30 % Provision in deine Preise einkalkulieren!

2

Standortsuche & Mietvertrag

Suche eine Immobilie, die idealerweise bereits als Gastronomie genehmigt ist (Bestandsschutz!). Prüfe zwingend, ob Fettabscheider und Abluftanlage vorhanden sind.

3

Genehmigungen beantragen

Beantrage sofort nach Vertragsunterschrift die Konzession (falls Alkohol ausgeschenkt wird), das polizeiliche Führungszeugnis und melde dich zur IfSG-Belehrung an.

4

Umbau & Einrichtung

Richte die Küche nach HACCP-Standards ein. Für Smash Burger reicht oft eine gute Grillplatte (Teppan Yaki), für klassische Burger brauchst du zusätzlich Fritteusen und Bun-Toaster.

5

Kassensystem & Eröffnung

Besorge dir eine zertifizierte Registrierkasse mit Technischer Sicherheitseinrichtung (TSE) – das ist seit 2020 Pflicht. Melde dich bei der Berufsgenossenschaft (BGN) an.

BGN: Pflichtanmeldung

Als Burgerladen-Betreiber bist du gesetzlich verpflichtet, deinen Betrieb bei der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) anzumelden. Sie ist der Träger der gesetzlichen Unfallversicherung für alle Gastronomie-Betriebe.

→ Mehr dazu: Versicherungen für Selbstständige

Professionelle Gastroküche mit Ablufthaube über Grillstation – Burgerladen Fettabscheider Abluftanlage

Die richtige Rechtsform für deinen Burgerladen

Die Wahl der Rechtsform ist beim Burgerladen wichtig, da das Haftungsrisiko durch Personenschäden (z. B. durch verdorbenes Essen) real ist. Ein Einzelunternehmen ist zwar schnell gegründet, du haftest jedoch mit deinem Privatvermögen. Viele Gründer entscheiden sich daher für eine UG (haftungsbeschränkt) oder GmbH.

RechtsformHaftungStartkapitalEignung
EinzelunternehmenUnbeschränkt (auch Privatvermögen)Kein MindestkapitalSchnell gegründet, aber volles Haftungsrisiko – z. B. bei Personenschäden durch dein Essen.
GbRUnbeschränkt (alle Gesellschafter solidarisch)Kein MindestkapitalFür Gründerteams möglich, aber riskant. Alle Partner haften mit dem Privatvermögen.
UG (haftungsbeschränkt)Beschränkt auf GesellschaftsvermögenAb 1 € (praktisch 3.000–5.000 €)Guter Einstieg mit Haftungsschutz. Günstig in der Gründung, aber mit Pflicht zur Rücklagenbildung.
GmbHBeschränkt auf Gesellschaftsvermögen25.000 €Schützt das Privatvermögen und wirkt professionell gegenüber Banken und Investoren.

→ Mehr dazu in unserem Ratgeber: Rechtsform wählen

Was kostet es, einen Burgerladen zu eröffnen?

Die Kosten für einen Burgerladen hängen extrem vom Konzept ab. Eine Ghost Kitchen ist deutlich günstiger als ein Fast-Casual-Restaurant in 1A-Lage. Besonders der Umbau (Lüftung!) und die Liquiditätsreserve für die ersten Monate sind kritische Posten. Die folgende Tabelle gibt einen realistischen Überblick für die Neugründung eines Fast-Casual-Burgerladens (ca. 30–60 qm, mit Sitzplätzen):

KostenpunktGeschätzte Kosten
Miete & Kaution (oft 3–6 Monatsmieten im Voraus)5.000 € – 18.000 €
Umbau & Renovierung (inkl. Lüftung, ggf. Fettabscheider)15.000 € – 55.000 €
Küchenausstattung (Grillplatte, Fritteusen, Kühlung, Toaster)8.000 € (gebraucht) – 25.000 € (neu)
Mobiliar & Einrichtung (Tische, Stühle, Theke)5.000 € – 20.000 €
Kassensystem (inkl. TSE-Zertifizierung)1.500 € – 4.000 €
Genehmigungen (Konzession, HACCP, Bauantrag)500 € – 3.000 €
Branding & Marketing (Logo, Verpackung, Website)2.000 € – 5.000 €
Erster Warenbestand (Fleisch, Buns, Getränke, Verpackungen)2.000 € – 4.000 €
Liquiditätsreserve (Puffer für die ersten 6 Monate!)10.000 € – 30.000 €
Gesamtkapitalbedarf für den Startca. 49.000 € – 164.000 €

Unser Tipp: Kostenlose Beratung für deinen Businessplan

Die Finanzierung eines Burgerladens steht und fällt mit einem professionellen Businessplan. Du musst genau vorrechnen können, wie hoch dein Wareneinsatz pro Burger ist und wie viele Gäste du am Tag brauchst, um deine Fixkosten zu decken (Break-Even-Point). Wenn du aktuell arbeitslos gemeldet bist, kannst du einen AVGS-Gutschein bei der Agentur für Arbeit beantragen – die Kosten für professionelle Gründungsberatung werden zu 100 % vom Staat übernommen.

FAQ – Häufige Fragen zur Gründung eines Burgerladens

Brauche ich als Koch einen Meisterbrief?+
Nein. Der Beruf des Kochs ist kein zulassungspflichtiges Handwerk. Du benötigst weder einen Meisterbrief noch eine abgeschlossene Ausbildung in der Gastronomie, um einen Burgerladen zu eröffnen. Quereinsteiger müssen jedoch einen IHK-Unterrichtungsnachweis erbringen.
Brauche ich für einen Burgerladen ein Gesundheitszeugnis?+
Nein, das 'Gesundheitszeugnis' wurde 2001 abgeschafft. Du und deine Mitarbeiter benötigen stattdessen eine Belehrung nach § 43 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) vom Gesundheitsamt.
Wann brauche ich eine Gaststättenkonzession?+
Eine Konzession brauchst du nur, wenn du alkoholische Getränke (z. B. Bier, Wein) ausschenkst UND gleichzeitig Sitzplätze für den Verzehr vor Ort anbietest. Ein reiner Take-away-Imbiss oder eine Ghost Kitchen braucht keine Konzession.
Was ist ein Fettabscheider und brauche ich ihn?+
Ein Fettabscheider trennt Fette und Öle aus dem Abwasser, bevor es in die Kanalisation gelangt. Für gewerbliche Gastro-Küchen (besonders wenn Burger gebraten und Pommes frittiert werden) ist er in fast allen Gemeinden zwingend vorgeschrieben. Der nachträgliche Einbau ist oft sehr teuer.
Lohnt sich der Verkauf über Lieferando und Co.?+
Lieferdienste bringen dir Reichweite und Umsatz, verlangen aber oft 25 bis 30 % Provision pro Bestellung. Du musst deine Preise für den Lieferservice entsprechend anpassen, da sonst deine gesamte Marge von der Provision aufgefressen wird.

Bereit, deinen Burgerladen zu eröffnen?

Die Finanzierung und ein überzeugender Businessplan sind oft die größten Hürden. Wenn du aktuell arbeitslos gemeldet bist, hast du die Möglichkeit, einen AVGS-Gutschein bei der Agentur für Arbeit zu beantragen – die Kosten für dein Gründungscoaching werden zu 100 % vom Staat übernommen.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts‑, Steuer‑ oder Finanzberatung. FoundingFits bietet keine Rechtsberatung oder Steuerberatung an. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an einen Steuerberater, Rechtsanwalt oder eine andere fachkundige Stelle. Alle Angaben ohne Gewähr.