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Gründungsleitfaden Elektrohandwerk

Selbstständig als Elektriker: Voraussetzungen, Schritte & Kosten

Du bist Elektriker und träumst vom eigenen Betrieb? Von der Meisterpflicht über die Eintragung ins Installateurverzeichnis bis zur richtigen Betriebshaftpflicht – dieser Leitfaden zeigt dir Schritt für Schritt, wie du deinen Elektrobetrieb erfolgreich gründest.

  • Meisterpflicht & Ausnahmen im Elektrohandwerk
  • Installateurverzeichnis – Voraussetzungen & Eintragung
  • Kosten, Stundensatz & Finanzplanung
  • Fördermittel: Gründungszuschuss, AVGS, KfW-Kredit
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Warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist

Der Markt für Elektroinstallationen boomt. Die Energiewende und die fortschreitende Digitalisierung sorgen für eine konstant hohe Nachfrage. Ob Photovoltaikanlagen, Smart-Home-Systeme oder der Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Mobilität – die Auftragsbücher der Elektrobetriebe sind voll.

Gleichzeitig herrscht ein massiver Fachkräftemangel im Bereich Mechatronik-, Energie- und Elektroberufe. Für dich als Gründer bedeutet das: Weniger Wettbewerbsdruck und die Möglichkeit, höhere Stundensätze durchzusetzen.

Voraussetzungen: Meisterpflicht & Ausnahmen

Das Elektrohandwerk gehört zu den zulassungspflichtigen Handwerken (Anlage A) der Handwerksordnung. Grundsätzlich benötigst du einen Meisterbrief, um dich als Elektriker selbstständig zu machen.

Der klassische Weg: Meisterbrief

Der Meisterbrief ist der Goldstandard. Er berechtigt zur Betriebsführung und zur Ausbildung von Lehrlingen. Er schafft Vertrauen bei Kunden und Banken – besonders bei der Beantragung von Fördermitteln.

Ohne Meisterbrief – geht das?

  • Altgesellenregelung (§7b HwO): 6 Jahre Berufserfahrung, davon 4 in leitender Position
  • Betriebsleiter einstellen: Elektromeister als technischen Betriebsleiter in Vollzeit anstellen
  • Ausnahmebewilligung (§8 HwO): In Härtefällen, sofern erforderliche Kenntnisse nachweisbar

Wichtig: Ohne Meisterbrief darfst du dich nicht „Elektromeister" nennen. Bezeichnungen wie „Elektrotechniker" oder „Elektrobetrieb" sind jedoch zulässig.

So gründest du deinen Elektrobetrieb – Schritt für Schritt

Von der ersten Idee bis zum ersten Auftrag: Die wichtigsten Schritte auf dem Weg in die Selbstständigkeit.

01

Businessplan & Marktanalyse

Analysiere den lokalen Markt: Welche Elektro-Dienstleistungen sind besonders gefragt? Wer sind deine Konkurrenten? Ein solider Businessplan ist Pflicht für Fördermittel und Kredite.

02

Rechtsform wählen

Einzelunternehmen (einfach, volle Haftung), GmbH (Haftungsbeschränkung, 25.000 € Stammkapital) oder UG (ab 1 € Stammkapital, Rücklagenpflicht) – wähle passend zu Haftungsrisiko und Wachstumsplan.

03

Handwerksrolle & Gewerbeanmeldung

Mit Meisterbrief oder Ausnahmegenehmigung trägst du deinen Betrieb in die Handwerksrolle der HWK ein. Danach folgt die Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt.

04

Eintragung ins Installateurverzeichnis

Ohne Eintragung beim örtlichen Netzbetreiber darfst du keine Arbeiten am öffentlichen Stromnetz durchführen. Du brauchst: Meisterbrief, Betriebshaftpflicht, kalibrierte Messgeräte und ggf. den TREI-Schein.

05

BG ETEM & Versicherungen

Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM). Unfallversicherung für Mitarbeiter ist Pflicht, für dich als Inhaber dringend empfohlen.

06

Ausstattung & erste Aufträge

Firmenfahrzeug, VDE-geprüftes Werkzeug, kalibrierte Messgeräte, Arbeitskleidung – und dann aktiv Marketing starten, um deine ersten Kunden zu gewinnen.

Kosten & Stundensatz: Was musst du einkalkulieren?

Die Gründung eines Elektrobetriebs ist mit erheblichen Investitionen verbunden. Hier ein Überblick über die wichtigsten Anschaffungskosten.

Anschaffungskosten

PostenBetrag
Werkzeuge & Messgeräte (VDE-geprüft)5.000 – 15.000 €
Firmenfahrzeug (Kastenwagen, Leasing/Kauf)15.000 – 40.000 €
Büroausstattung & Handwerkersoftware1.000 – 3.000 €
Arbeitskleidung & Schutzausrüstung500 – 1.500 €
Finanzplanung Elektrobetrieb – Laptop mit Dashboard, Helm und Taschenrechner

Stundensatz-Kalkulation

Ein häufiger Fehler von Gründern ist ein zu niedrig angesetzter Stundensatz. Du musst nicht nur Lebenshaltungskosten decken, sondern auch Steuern, Versicherungen, Rücklagen und unproduktive Zeiten finanzieren.

Beispielrechnung:

  • Jährliche Gesamtkosten (Betrieb + Privat): ~60.000 €
  • Gewünschter Gewinn & Rücklagen: ~15.000 €
  • Verrechenbare Arbeitsstunden/Jahr: ~1.200 Std.

→ (60.000 + 15.000) / 1.200 = ca. 63 € pro Stunde (Minimum)

Um profitabel zu arbeiten, solltest du mindestens 60–85 €/Stunde berechnen. Bei Spezialisierungen (Smart Home, PV-Anlagen) sind 90–120 €/Stunde realistisch.

Wichtig für B2B-Aufträge: Achte auf den §13b UStG (Reverse-Charge-Verfahren). Bei Bauleistungen an andere Unternehmer schuldet oft der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer. Ab 2025 ist die E-Rechnung (ZUGFeRD, XRechnung) im B2B-Bereich Pflicht.

👉 Unsicher bei der Stundensatz-Kalkulation? Wir rechnen das gemeinsam im Coaching durch.

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Versicherungen für selbstständige Elektriker

Im Elektrohandwerk können kleine Fehler existenzbedrohende Folgen haben (z. B. Kabelbrand durch fehlerhafte Installation). Eine solide Absicherung ist unerlässlich.

BetriebshaftpflichtversicherungPflicht

Die wichtigste Versicherung – deckt Personen-, Sach- und Vermögensfolgeschäden ab. Ohne Nachweis (mind. 1 Mio. € Deckungssumme) keine Eintragung ins Installateurverzeichnis.

KrankenversicherungPflicht

Als Selbstständiger wählst du zwischen gesetzlicher (freiwillig) und privater Krankenversicherung.

Gesetzliche Unfallversicherung (BG ETEM)Pflicht

Pflicht für deine Mitarbeiter, für dich als Inhaber freiwillig – aber dringend empfohlen.

Inhaltsversicherung

Schützt teures Werkzeug, Messgeräte und Material vor Diebstahl, Feuer oder Leitungswasser.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Sichert dein Einkommen ab, falls du deinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kannst.

Rechtsschutzversicherung

Hilft bei juristischen Streitigkeiten mit Kunden (z. B. unbezahlte Rechnungen) oder Lieferanten.

Fördermittel für Elektrikergründer

Nutze staatliche Förderungen, um deine Finanzierung auf sichere Beine zu stellen.

Gründungszuschuss (ALG I)

6 Monate ALG I plus 300 € Pauschale zur sozialen Absicherung. Voraussetzung: Mind. 150 Tage Restanspruch auf ALG I.

Einstiegsgeld (Bürgergeld)

Zuschuss zur Sicherung des Lebensunterhalts in der Startphase für Gründer mit Bürgergeld-Bezug.

KfW-Gründerkredit (ERP-StartGeld)

Zinsgünstige Darlehen bis 125.000 € für Investitionen und Betriebsmittel – oft ohne Eigenkapital und mit tilgungsfreier Anlaufzeit.

Meister-BAföG (Aufstiegs-BAföG)

Unterstützung bei Lehrgangs- und Prüfungsgebühren, falls du deinen Meisterbrief noch machst.

AVGS-Gründungscoaching

Mit dem Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) erhältst du ein gefördertes 1:1-Coaching zur Erstellung deines Businessplans.

Mehr zum geförderten AVGS-Gründercoaching erfährst du auf unserer Seite AVGS Gründercoaching. Den allgemeinen Leitfaden zur Handwerksgründung findest du unter Selbstständig im Handwerk.

Spezialisierung: Die lukrativsten Nischen

Wer sich als „Allrounder" positioniert, steht oft im Preiskampf. Eine klare Spezialisierung hilft, höhere Preise durchzusetzen.

Photovoltaik & Energiespeicher

Die Nachfrage nach PV-Anlagen ist enorm. Als zertifizierter Solarteur bist du unverzichtbar für den fachgerechten Anschluss ans Stromnetz.

Smart Home (Gebäudeautomation)

Intelligente Gebäudesteuerung (KNX, Loxone) wird zunehmend Standard im Neubau und bei Sanierungen.

E-Mobilität & Ladeinfrastruktur

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur (Wallboxen) bietet riesiges Wachstumspotenzial – bis 2030 sollen über 1 Mio. öffentliche Ladepunkte entstehen.

Industrieelektrik & Automatisierung

Wartung und Programmierung von Produktionsanlagen sichert langfristige, lukrative Wartungsverträge.

Solaranlage auf Hausdach mit E-Auto an Wallbox – Zukunftsnischen für Elektriker

Marketing & Kundengewinnung für Elektriker

Ohne Kunden kein Umsatz. Gerade in der Anfangsphase musst du aktiv auf dich aufmerksam machen:

Professionelle Website

Mit deinen Leistungen, Referenzen und Kontaktmöglichkeiten – dein digitales Aushängeschild.

Google Unternehmensprofil

Optimiere deinen Eintrag für lokale Suchanfragen (‚Elektriker in [Stadt]') und sammle aktiv Bewertungen.

Fahrzeugbeschriftung

Dein Firmenwagen ist deine rollende Visitenkarte – generiert täglich kostenlose Reichweite in deiner Region.

Netzwerken mit anderen Gewerken

Kooperiere mit Sanitärinstallateuren, Dachdeckern, Architekten – daraus entstehen oft lukrative Weiterempfehlungen.

Häufige Fragen zur Selbstständigkeit als Elektriker

Kann ich mich ohne Meisterbrief als Elektriker selbstständig machen?+
Ja, unter bestimmten Voraussetzungen: Über die Altgesellenregelung (§7b HwO) mit 6 Jahren Berufserfahrung (davon 4 in leitender Position), durch die Einstellung eines Elektromeisters als technischen Betriebsleiter oder über eine Ausnahmebewilligung (§8 HwO).
Was kostet die Gründung eines Elektrobetriebs?+
Die reinen Gründungskosten (Gewerbeanmeldung, Handwerksrolle, ggf. Notar bei GmbH) liegen zwischen 500 und 3.000 €. Hinzu kommen Investitionen für Werkzeug (5.000–15.000 €), Messgeräte, Firmenfahrzeug und Marketing. Ein Startkapital von 20.000 bis 50.000 € ist empfehlenswert.
Was ist das Installateurverzeichnis und brauche ich das?+
Das Installateurverzeichnis wird vom örtlichen Netzbetreiber geführt. Nur wer dort eingetragen ist, darf Arbeiten am öffentlichen Stromnetz (z. B. Zähleranlagen, Hausanschlüsse) durchführen. Voraussetzungen: Meisterbrief, Betriebshaftpflicht und kalibrierte Messgeräte.
Wie hoch sollte mein Stundensatz als selbstständiger Elektriker sein?+
Um profitabel zu arbeiten und alle Kosten (inkl. Steuern, Versicherungen, Rücklagen) zu decken, sollte der Stundensatz mindestens 60–85 € liegen. Bei Spezialisierungen (z. B. Smart Home, PV-Anlagen) sind 90–120 € realistisch.
Welche Versicherungen sind für Elektriker Pflicht?+
Die Betriebshaftpflichtversicherung ist die wichtigste Absicherung und Voraussetzung für die Eintragung ins Installateurverzeichnis. Dazu kommen Krankenversicherung und die gesetzliche Unfallversicherung (BG ETEM) für Mitarbeiter.
Was ist die BG ETEM?+
Die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse ist der Träger der gesetzlichen Unfallversicherung für das Elektrohandwerk. Sie ist zuständig für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.
Welche Rechtsform ist die beste für meinen Elektrobetrieb?+
Das Einzelunternehmen ist einfach und günstig, birgt aber volle persönliche Haftung. Eine GmbH beschränkt die Haftung (25.000 € Stammkapital), eine UG bereits ab 1 € mit Rücklagenpflicht. Die Wahl hängt von deiner Risikosituation und deinem Wachstumsplan ab.
Lohnt sich die Übernahme eines bestehenden Elektrobetriebs?+
Ja, eine Betriebsübernahme kann sehr lukrativ sein: Du übernimmst Kundenstamm, eingespielte Mitarbeiter und vorhandene Ausstattung. Allerdings ist der Kaufpreis oft hoch und du übernimmst auch bestehende Verträge und Strukturen.
Welche Fördermittel gibt es speziell für Elektrikergründer?+
Die wichtigsten Förderungen: Gründungszuschuss (bei ALG I), KfW-Gründerkredit (ERP-StartGeld), Meister-BAföG und das AVGS-Gründungscoaching für die geförderte Businessplan-Erstellung.

Bereit, deinen Elektrobetrieb zu gründen?

Im Erstgespräch besprechen wir dein Vorhaben, klären Voraussetzungen und zeigen dir, welche Fördermittel du nutzen kannst – unverbindlich und ohne Kosten.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts‑, Steuer‑ oder Finanzberatung. FoundingFits bietet keine Rechtsberatung oder Steuerberatung an. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an einen Steuerberater, Rechtsanwalt oder eine andere fachkundige Stelle. Alle Angaben ohne Gewähr.