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Der Gerüstbau ist das Rückgrat der gesamten Baubranche. Ohne ein sicheres Gerüst können weder Dachdecker noch Maler oder Fassadenbauer ihre Arbeit aufnehmen. Die Nachfrage nach professionellen Gerüstbauleistungen ist aufgrund des anhaltenden Sanierungsbedarfs und des Wohnungsbaus konstant hoch.

Der Gerüstbau gehört in Deutschland zu den zulassungspflichtigen Handwerken (Anlage A der Handwerksordnung). Das bedeutet: Grundsätzlich benötigst du einen Meisterbrief, um dich als Gerüstbauer selbstständig zu machen. Die Meisterpflicht in diesem Gewerk wurde 1998 eingeführt, um die hohen Sicherheitsstandards auf Baustellen zu gewährleisten.
Du kannst dich ohne Meisterprüfung selbstständig machen, wenn du eine Gesellenprüfung im Gerüstbau bestanden hast und danach mindestens sechs Jahre Berufserfahrung nachweisen kannst. Davon musst du mindestens vier Jahre in leitender Stellung gearbeitet haben.
Du gründest das Unternehmen und stellst einen angestellten Gerüstbaumeister als technischen Betriebsleiter ein. Der Meister muss sozialversicherungspflichtig angestellt sein und mindestens 80 Stunden pro Monat tatsächlich tätig sein.
Wenn du bereits Meister in einem anderen Bauhandwerk bist (z. B. Dachdecker, Maurer, Zimmerer), darfst du unter bestimmten Voraussetzungen auch Gerüstbauarbeiten anbieten.
In seltenen Härtefällen kann die Handwerkskammer eine Ausnahmebewilligung erteilen, wenn das Ablegen der Meisterprüfung eine unzumutbare Belastung darstellt.

Ein Gerüst ist nicht gleich ein Gerüst. Je nach Spezialisierung benötigst du unterschiedliches Material und sprichst andere Zielgruppen an.
Der klassische Einstieg. Zielgruppe sind private Bauherren, Maler und regionale Dachdecker. Relativ standardisiertes Material (Rahmengerüste).
Einrüstung von Produktionsanlagen, Silos oder Kraftwerken. Erfordert hochkomplexe Modulgerüste und höchste Sicherheitszertifizierungen (z. B. SCC). Sehr lukrativ, aber hohe Einstiegshürde.
Erfordert viel Erfahrung im Sondergerüstbau und oft statische Einzelnachweise.
Eine wachsende Nische, da Bauherren zunehmend witterungsunabhängig bauen oder sanieren wollen.

Im Gerüstbau hantierst du mit tonnenschwerem Material in großer Höhe. Das Haftungsrisiko bei Unfällen oder Sachschäden ist enorm. Daher ist die Wahl der Rechtsform entscheidend.
| Rechtsform | Haftung | Startkapital | Eignung |
|---|---|---|---|
| Einzelunternehmen | Unbeschränkt (auch Privatvermögen) | Kein Mindestkapital | Nur für den absoluten Start. Bei schweren Unfällen haftest du mit deinem gesamten Privatvermögen. |
| GbR | Unbeschränkt (alle Gesellschafter solidarisch) | Kein Mindestkapital | Wenn du mit einem Partner gründest. Volles Risiko für das Privatvermögen beider Partner. |
| UG (haftungsbeschränkt) | Beschränkt auf Gesellschaftsvermögen | Ab 1 € (praktisch 5.000 €) | Bietet Haftungsschutz, aber oft schwer, damit Bankkredite für teures Material zu bekommen. |
| GmbH | Beschränkt auf Gesellschaftsvermögen | 25.000 € | Die klare Empfehlung. Schützt das Privatvermögen und erleichtert die Finanzierung von Material und Fuhrpark. |
→ Mehr dazu in unserem Ratgeber: Rechtsform wählen
Der Gerüstbau ist extrem kapitalintensiv. Du benötigst nicht nur das Gerüstmaterial selbst, sondern auch die Logistik, um es zu transportieren.
| Kostenpunkt | Geschätzte Kosten |
|---|---|
| Gerüstmaterial (Grundausstattung für ca. 2.000–3.000 qm Fassade) | 40.000 € – 80.000 € |
| Fuhrpark (LKW ab 7,5t mit Ladekran + Anhänger) | 30.000 € – 70.000 € |
| Lagerplatz (Miete Kaution + Herrichtung) | 3.000 € – 8.000 € |
| Werkzeug & Sicherheitsausrüstung (PSA gegen Absturz) | 2.000 € – 5.000 € |
| Büroausstattung & Gerüstbau-Software | 3.000 € – 6.000 € |
| Marketing (Website, Logo, Werbeplanen) | 2.000 € – 4.000 € |
| Liquiditätsreserve (für Löhne und Material) | 30.000 € – 50.000 € |
| Gesamtkapitalbedarf für den Start | ca. 110.000 € – 223.000 € |
💡 Preise und Stundensatz kalkulieren
Im Gerüstbau wird meist nach Quadratmetern abgerechnet: Fassadengerüst: ca. 6,00 € bis 12,00 € pro qm. Standzeit ab 5. Woche: ca. 1,00 € bis 2,50 € pro qm/Woche. Stundensatz für Regiearbeiten: ca. 55,00 € bis 75,00 € netto.

| Förderprogramm | Zielgruppe | Konditionen |
|---|---|---|
| Gründungszuschuss (Agentur für Arbeit) | Gründer aus der Arbeitslosigkeit | Bis zu 9 Monate Zuschuss in Höhe des ALG I + 300 €/Monat Pauschale. |
| KfW-StartGeld (Kredit 067) | Alle Gründer | Bis zu 125.000 € Kredit für Material und Fuhrpark. |
| KfW-Unternehmerkredit | Bestehende Betriebe | Für größere Investitionen in Gerüstmaterial und Fahrzeuge. |
| AVGS-Coaching | Gründer mit Vermittlungsgutschein | Gefördertes Gründungscoaching für Businessplan und Kalkulation. |
→ Alle Förderprogramme im Überblick: Fördermittel für Gründer
BG BAU (Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft)
Gesetzlich vorgeschrieben für dich und alle Mitarbeiter. Deckt Arbeitsunfälle (z. B. Abstürze) ab. Anmeldung innerhalb einer Woche nach Gewerbeanmeldung. Die Beiträge sind aufgrund der hohen Gefahrenklasse im Gerüstbau erheblich.
SOKA-BAU (Sozialkassen der Bauwirtschaft)
Gerüstbaubetriebe unterliegen dem Tarifvertrag über das Sozialkassenverfahren im Baugewerbe (VTV). Auch als Solo-Selbstständiger ohne Mitarbeiter musst du einen jährlichen Mindestbeitrag zahlen.
Rentenversicherungspflicht (§ 2 SGB VI)
Selbstständige Gerüstbauer sind in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Anmeldung innerhalb von drei Monaten nach Aufnahme der Tätigkeit.
Betriebshaftpflichtversicherung
Existenziell! Deckt Personen- und Sachschäden ab (z. B. herabfallende Gerüstteile). Mindestdeckungssumme: 3 Mio. Euro.
Maschinen- und Elektronikversicherung
Schützt Bauaufzüge, Winden und Fuhrpark vor Diebstahl und Bedienungsfehlern.
Rechtsschutzversicherung
Hilft bei Streitigkeiten mit Auftraggebern (z. B. Mängelrügen) oder Mitarbeitern.
→ Mehr dazu: Versicherungen für Selbstständige
→ Businessplan-Vorlage: Businessplan erstellen
→ Verwandter Leitfaden: Baufirma gründen
→ Verwandter Leitfaden: Selbstständig als Dachdecker
→ Verwandter Leitfaden: Zimmerei gründen
Du willst eine Gerüstbaufirma gründen, bist aber noch unsicher bei Finanzierung, Businessplan oder Fördermitteln? Ein gefördertes Gründungscoaching kann dir helfen, die ersten Schritte strukturiert anzugehen.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts‑, Steuer‑ oder Finanzberatung. FoundingFits bietet keine Rechtsberatung oder Steuerberatung an. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an einen Steuerberater, Rechtsanwalt oder eine andere fachkundige Stelle. Alle Angaben ohne Gewähr.