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Das Dachdeckerhandwerk ist eines der krisensichersten und lukrativsten Gewerke in Deutschland. Die Insolvenzquote liegt bei extrem niedrigen 1,5 Prozent, und die Energiewende sorgt mit der Photovoltaik-Pflicht für volle Auftragsbücher auf Jahre hinaus. Dieser Leitfaden zeigt dir Schritt für Schritt, wie du deinen eigenen Dachdeckerbetrieb erfolgreich gründest.

Das Dachdeckerhandwerk zählt zu den zulassungspflichtigen Gewerken nach Anlage A der Handwerksordnung (HwO). Anders als in manchen anderen Gewerken (wie z. B. bei Fliesenlegern) wurde die Meisterpflicht hier nie abgeschafft. Das macht den Dachdeckermeister zu einer der wertvollsten Qualifikationen im Handwerk.
Der Meisterbrief ist der Standardweg in die Selbstständigkeit. Er berechtigt dich zur Führung eines eigenen Betriebs, zur Eintragung in die Handwerksrolle und zur Ausbildung von Lehrlingen. Die Kosten liegen bei 9.000 bis 14.000 Euro – mit Aufstiegs-BAföG (bis zu 75 % Zuschuss) sinkt der effektive Eigenanteil auf oft unter 4.000 Euro.
⚠️ Wichtige Abgrenzung: Im Dachbereich überschneiden sich drei meisterpflichtige Gewerke: Dachdecker (Eindeckung, Abdichtung), Klempner/Spengler (Blecharbeiten, Rinnen) und Zimmerer (Dachstuhl). Prüfe mit deiner Handwerkskammer genau, welche Leistungen dein Meisterbrief oder deine Ausübungsberechtigung abdeckt.

Die Wahl der Rechtsform beeinflusst deine Haftung, die steuerliche Behandlung und das benötigte Startkapital. Im Dachdeckerhandwerk ist die Haftungsfrage besonders wichtig: Bei Absturzunfällen oder Wasserschäden durch fehlerhafte Abdichtungen können schnell sechsstellige Schadenssummen entstehen.
| Rechtsform | Haftung | Startkapital | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Einzelunternehmen | Unbeschränkt (auch Privatvermögen) | Kein Mindestkapital | Einfache Gründung. Hohes persönliches Risiko bei Bauschäden. |
| GbR | Unbeschränkt (alle Gesellschafter solidarisch) | Kein Mindestkapital | Für Gründungen zu zweit. Einfache Buchhaltung. |
| UG (haftungsbeschränkt) | Beschränkt auf Gesellschaftsvermögen | Ab 1 Euro (praktisch 1.000–5.000 €) | "Mini-GmbH". Rücklagenpflicht (25 % des Gewinns). |
| GmbH | Beschränkt auf Gesellschaftsvermögen | 25.000 Euro | Empfohlen ab 3–4 Mitarbeitern. Hohes Ansehen bei Bauträgern und öffentlichen Auftraggebern. |
Ein Dachdeckerbetrieb erfordert deutlich mehr Startkapital als beispielsweise ein Maler- oder Fliesenlegerbetrieb. Die größten Kostentreiber sind Fahrzeuge, Gerüste und die Absturzsicherung.
| Kostenpunkt | Geschätzte Kosten |
|---|---|
| Fahrzeug (Pritsche/Kastenwagen + Anhänger, gebraucht) | 15.000 – 35.000 € |
| Gerüst / Schutzgerüst (Grundstock) | 5.000 – 15.000 € |
| Absturzsicherung (PSA, Auffanggurte, Fangnetze) | 1.500 – 3.000 € |
| Werkzeug & Maschinen (Aufzüge, Brenner, Sägen) | 5.000 – 12.000 € |
| Materiallager (Grundstock: Ziegel, Bahnen, Dämmung) | 3.000 – 8.000 € |
| Büroausstattung & Software (Kalkulation, Aufmaß) | 1.500 – 3.000 € |
| Gründungskosten (Notar, Ämter, HWK-Eintragung) | 500 – 1.000 € |
| Marketing (Logo, Website, Fahrzeugbeschriftung) | 2.000 – 5.000 € |
| Liquiditätsreserve (für die ersten 3–6 Monate) | 15.000 – 30.000 € |
| Gesamtkapitalbedarf | ca. 48.500 – 112.000 € |

Stundensatz-Tipp: Im Dachdeckerhandwerk liegen profitable Stundensätze bei 55–85 Euro netto. Für Spezialisierungen wie Schiefer/Denkmalpflege oder energetische Sanierung sind 65–90 Euro netto realistisch. Plane Rücklagen für 3–4 schwächere Wintermonate ein.
Bis zu 75 % Zuschuss auf Lehrgangs- und Prüfungsgebühren + Darlehen mit 50 % Erlass bei Bestehen.
Länderspezifisch (z. B. NRW: bis zu 10.500 €). Gilt oft auch für Betriebsübernahmen.
6 Monate ALG I + 300 € Pauschale, danach ggf. weitere 9 Monate 300 €. Voraussetzung: Gründung aus der Arbeitslosigkeit.
Bis zu 125.000 € Kredit, 80 % Haftungsfreistellung für die Hausbank.
Bis zu 80 % Ausfallbürgschaft für Bankkredite bei fehlenden Sicherheiten.
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Kostenloses Erstgespräch buchenAls selbstständiger Dachdecker trägst du nicht nur die Verantwortung für deine Arbeit, sondern auch für deine Mitarbeiter und Kunden. Das Dachdeckerhandwerk weist eine der höchsten Unfallraten auf.
Wichtiger Hinweis: Selbstständige Dachdecker sind in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert (§ 2 SGB VI). Die Pflicht endet erst nach 18 Pflichtbeitragsjahren.
Gesetzlich vorgeschrieben für dich und deine Mitarbeiter. Das Dachdeckerhandwerk hat eine der höchsten Gefahrenklassen. Anmeldung innerhalb einer Woche nach Gewerbeanmeldung.
Selbstständige Dachdecker sind in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Die Pflicht endet nach 18 Pflichtbeitragsjahren.
Deckt Personen- und Sachschäden ab (z. B. Wasserschaden durch offenes Dach, Absturzunfall). Mindestens 5 Mio. € Deckungssumme empfohlen.
Für eigene Gerüste: zusätzliche Absicherung für Schäden, die durch das Gerüst entstehen.
Schützt teure Ausrüstung (Maschinen, Werkzeuge) und Warenvorräte vor Feuer, Wasser, Sturm oder Einbruch.
Übernimmt laufende Fixkosten und entgangenen Gewinn bei erzwungener Betriebsschließung.
Hilft bei Auseinandersetzungen mit Kunden, Lieferanten oder Mitarbeitern. Baurecht einschließen!
Sichert dein Einkommen, falls du den körperlich anspruchsvollen Beruf nicht mehr ausüben kannst.
Das Dachdeckerhandwerk befindet sich im Wandel. Neben dem klassischen Dachdecken eröffnen sich neue, lukrative Geschäftsfelder.
Solarpflicht sorgt für Dauernachfrage. PV-Anlage und Dachsanierung aus einer Hand steigert den Auftragswert um 10.000–25.000 Euro. Für den Netzanschluss: Kooperation mit Elektriker.
Neueindeckung + Dämmung = Großauftrag (20.000–80.000 €/Dach). Durch GEG und BAFA-/KfW-Förderung (bis 20 % + iSFP-Bonus) wächst der Markt auf Jahre.
Spezialwissen in Abdichtung (Bitumen, EPDM, PVC) und Entwässerung. Weniger Konkurrenz als bei Steildach, höhere Preise bei Gewerbekunden.
Jährliche Dachinspektionen (100–300 €/Dach) und Rinnenreinigungen. 200 Verträge = 30.000–60.000 € planbare Einnahmen pro Jahr.

Geschäftsidee entwickeln: Spezialisierung, Zielgruppe und Leistungsspektrum definieren.
Businessplan schreiben: Marktanalyse, Standortwahl, Marketingstrategie und detaillierter Finanzplan. Saisonalität (Wintermonate) und Materialvorlaufkosten einplanen!
Finanzierung sichern: Bankgespräche führen, Fördermittel (Gründungszuschuss, KfW-Kredit) beantragen.
Standortsuche: Räumlichkeiten für Büro und Materiallager mit guter Verkehrsanbindung für LKW finden.
Handwerkskammer: Eintragung in die Handwerksrolle beantragen (Meisterbrief oder Ausnahmegenehmigung vorlegen). Kosten: 120–300 Euro.
Gewerbeanmeldung: Gewerbe beim örtlichen Gewerbeamt anmelden. Kosten: 20–65 Euro.
Finanzamt: Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen und Steuernummer beantragen. Kleinunternehmerregelung ist wegen hoher Auftragswerte fast immer ungeeignet.
BG BAU: Innerhalb einer Woche nach Gewerbeanmeldung anmelden.
Fahrzeug und Ausrüstung: Transporter/Pritsche kaufen oder leasen, Werkzeuge, PSA (Absturzsicherung) und Erstausstattung bestellen.
Software einrichten: Handwerker-Software für Aufmaß, Kalkulation und Rechnungen implementieren.
Personal: Dachdeckergesellen und Azubis suchen, einstellen und bei der Sozialversicherung anmelden.
Versicherungen: Betriebshaftpflicht, Inhaltsversicherung und ggf. Gerüsthaftpflicht abschließen.
Marketing-Start: Website online stellen, Google My Business einrichten, Fahrzeugbeschriftung anbringen.
Netzwerken: Kontakt zu Energieberatern, Zimmerern, Elektrikern und Hausverwaltungen aufbauen.
Erster Auftrag: Professionell abwickeln und um eine Google-Bewertung bitten.
Du willst dich als Dachdecker selbstständig machen? Ein gefördertes Gründungscoaching hilft dir, deinen Businessplan zu schärfen, Fördermittel zu beantragen und die ersten Schritte strukturiert anzugehen.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts‑, Steuer‑ oder Finanzberatung. FoundingFits bietet keine Rechtsberatung oder Steuerberatung an. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an einen Steuerberater, Rechtsanwalt oder eine andere fachkundige Stelle. Alle Angaben ohne Gewähr.