Kosten, Haftung & Anmeldung (2026)
Du hast eine Geschäftsidee und möchtest schnell, unkompliziert und ohne großes Startkapital loslegen. Das Einzelunternehmen ist die einfachste Gründungsform in Deutschland – kein Notar, kein Stammkapital, keine Handelsregistereintragung. Doch die unbeschränkte Haftung und die Frage „Freiberufler oder Gewerbetreibender?" verunsichern viele. Wir zeigen dir, wie du sicher startest.

Kein Notar, kein Stammkapital, kein Handelsregister. Du kannst dein Einzelunternehmen in wenigen Tagen anmelden und sofort loslegen.
Freiberufler gründen kostenlos. Gewerbetreibende zahlen nur ca. 20–60 € für die Gewerbeanmeldung. Kein Mindestkapital erforderlich.
Statt doppelter Buchführung reicht die einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) – spart Zeit und Steuerberaterkosten.
Wer aus der Arbeitslosigkeit heraus gründet, erhält das gesamte Gründungscoaching kostenlos über den AVGS der Agentur für Arbeit.
Das Einzelunternehmen ist keine eigene Rechtsform im klassischen Sinne (wie etwa die GmbH oder die UG), sondern beschreibt eine Organisationsform der Selbstständigkeit. Ein Einzelunternehmen liegt immer dann vor, wenn eine einzelne natürliche Person ein Unternehmen im eigenen Namen und auf eigene Rechnung betreibt.
Es gibt keine rechtliche Trennung zwischen dir als Privatperson und deinem Unternehmen. Du bist das Unternehmen. Das macht die Gründung extrem einfach, bringt aber auch eine weitreichende Konsequenz mit sich: die unbeschränkte persönliche Haftung.
Wichtig: Auch wenn du alleine eine GmbH oder UG gründest (Ein-Personen-GmbH), bist du rechtlich gesehen kein Einzelunternehmer, sondern Gesellschafter-Geschäftsführer einer Kapitalgesellschaft.
Wenn du ein Einzelunternehmen gründest, musst du zunächst klären, zu welcher der beiden großen Gruppen du gehörst. Diese Unterscheidung bestimmt, wo du dich anmelden musst und welche Steuern du zahlst.
Freiberufler üben wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeiten aus. Katalogberufe: Ärzte, Anwälte, Architekten, Journalisten, Designer.
Wenn deine Tätigkeit nicht in den Katalog der freien Berufe fällt, bist du automatisch Gewerbetreibender. Das betrifft die absolute Mehrheit der Gründer: Onlineshop, Handwerk, Gastronomie, Vermittlung.
Gewerbeanmeldung (nur für Gewerbetreibende)
Wenn du Gewerbetreibender bist, ist dein erster Weg zum Gewerbeamt deiner Stadt oder Gemeinde. Dort füllst du das Formular zur Gewerbeanmeldung aus. Das kostet je nach Kommune zwischen 20 und 60 Euro. In vielen Städten kannst du das Gewerbe mittlerweile auch komplett online anmelden. Freiberufler überspringen diesen Schritt.
Fragebogen zur steuerlichen Erfassung (Finanzamt)Wichtigster Schritt
Egal ob Freiberufler oder Gewerbetreibender: Du musst dich beim Finanzamt anmelden. Du füllst den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung zwingend elektronisch über das ELSTER-Portal aus. Hier gibst du deine geschätzten Umsätze und Gewinne an und entscheidest, ob du die Kleinunternehmerregelung nutzen möchtest. Daraufhin erhältst du deine Steuernummer.
Geschäftskonto eröffnen (empfohlen)
Gesetzlich bist du nicht verpflichtet, ein separates Geschäftskonto zu führen. Es ist jedoch dringend zu empfehlen! Wenn du private Einkäufe und geschäftliche Einnahmen auf einem Konto mischst, verlierst du schnell den Überblick. Ein einfaches Geschäftskonto gibt es oft schon für wenige Euro im Monat.
IHK/HWK und Berufsgenossenschaft
Wenn du ein Gewerbe anmeldest, wirst du automatisch Pflichtmitglied in der IHK oder HWK. Für Gründer mit geringen Gewinnen gibt es oft Beitragsbefreiungen in den ersten Jahren. Zudem musst du dich innerhalb einer Woche nach Gründung bei der zuständigen Berufsgenossenschaft anmelden.
Das Einzelunternehmen ist die mit Abstand günstigste Gründungsform in Deutschland. Freiberufler gründen sogar vollständig kostenlos.
| Kostenpunkt | Betrag |
|---|---|
| Gewerbeanmeldung (Gewerbetreibende) | ca. 20 – 60 € |
| Finanzamt-Anmeldung (Freiberufler) | kostenlos |
| Geschäftskonto (monatlich) | 0 – 15 €/Monat |
| Stammkapital | nicht erforderlich |
| Notar | nicht erforderlich |
| Gesamtkosten der Gründung | 0 – 60 € |
* Richtwerte. Können je nach Bundesland und Kommune leicht variieren.
Das Einzelunternehmen ist ideal für den schnellen Start. Wenn das Haftungsrisiko steigt oder die Gewinne wachsen, kann ein Wechsel zur UG oder GmbH sinnvoll sein.
| Kriterium | Einzelunternehmen | UG | GmbH |
|---|---|---|---|
| Gründungskosten | 0 – 60 € | ca. 500 – 1.200 € | ca. 1.430 – 2.810 € |
| Stammkapital | Kein Mindestkapital | Ab 1 € | 25.000 € (12.500 € bei Gründung) |
| Haftung | Unbeschränkt persönlich | Auf Gesellschaftsvermögen beschränkt | Auf Gesellschaftsvermögen beschränkt |
| Buchhaltung | EÜR (einfach) | Doppelte Buchführung + Bilanz | Doppelte Buchführung + Bilanz |
| Steuern | Einkommensteuer (bis 45 %) | Körperschaft- + Gewerbesteuer (ca. 30 %) | Körperschaft- + Gewerbesteuer (ca. 30 %) |
| Investoren möglich | Nein | Ja | Ja |
Wann lohnt sich der Wechsel zur GmbH oder UG?
Wenn dein Haftungsrisiko steigt (hohe Kredite, teure Maschinen), dein Gewinn dauerhaft über ca. 80.000 € liegt (Steuervorteil der GmbH) oder du Investoren an Bord holen möchtest, ist der Wechsel zur GmbH oder UG sinnvoll. Mit AVGS-Coaching klärst du kostenlos, welche Rechtsform langfristig zu dir passt.
Der größte Nachteil des Einzelunternehmens ist die Haftung. Als Einzelunternehmer gibt es keine rechtliche Trennung zwischen deinem Privatvermögen und dem Betriebsvermögen.
Unbeschränkte persönliche Haftung
Wenn dein Unternehmen Schulden macht, Rechnungen nicht bezahlen kann oder auf Schadensersatz verklagt wird, haftest du unbeschränkt mit deinem gesamten privaten Vermögen – inklusive Erspartes, Auto und im schlimmsten Fall Eigenheim.
Betriebshaftpflichtversicherung als Pflicht
Eine gute Betriebshaftpflichtversicherung ist für Einzelunternehmer absolute Pflicht, um zumindest Risiken aus Personen- oder Sachschäden abzusichern. Die Kosten liegen je nach Branche bei ca. 100–500 € pro Jahr.
Wann zur GmbH wechseln?
Wenn dein Geschäftsmodell hohe finanzielle Risiken birgt (z.B. teurer Wareneinkauf, hohe Kredite), solltest du frühzeitig über die Gründung einer haftungsbeschränkten Gesellschaft (UG oder GmbH) nachdenken.
Die Buchhaltung im Einzelunternehmen ist im Vergleich zu Kapitalgesellschaften stark vereinfacht. Solange dein Umsatz unter 800.000 € und dein Gewinn unter 80.000 € im Jahr liegt, reicht die einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR).
Einkommensteuer
Dein Gewinn wird als Einkommen versteuert. Der Steuersatz steigt progressiv bis zu 42 % (bzw. 45 % ab 277.826 €).
Gewerbesteuer
Nur für Gewerbetreibende. Freibetrag: 24.500 € Gewinn/Jahr. Wird teilweise auf die Einkommensteuer angerechnet.
Umsatzsteuer
Grundsätzlich 19 % (oder 7 %). Mit Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG) entfällt die Pflicht zur Umsatzsteuerausweisung.
Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG) – Wann lohnt sie sich?
Du darfst die Regelung nutzen, wenn dein Umsatz im Vorjahr nicht höher als 25.000 € war und im laufenden Jahr voraussichtlich 100.000 € nicht übersteigen wird (Stand 2025/2026).
Lohnt sich bei B2C-Kunden:
Du kannst deine Leistungen brutto günstiger anbieten, da keine Umsatzsteuer aufgeschlagen wird.
Lohnt sich nicht bei B2B-Kunden:
Unternehmen ziehen die Umsatzsteuer als Vorsteuer ab. Du verzichtest auf die Vorsteuer aus deinen eigenen Einkäufen.
Die Wahl der richtigen Rechtsform, die steuerliche Erfassung und die Businessplanung sind komplex. Das musst du nicht alleine machen. Als IHK-zertifizierter Kooperationspartner eines AVGS-Trägers begleiten wir dich durch den gesamten Prozess.
Wenn du aktuell arbeitslos gemeldet bist, kannst du über den AVGS (Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein) eine kostenlose Gründungsberatung erhalten. Wir prüfen, ob das Einzelunternehmen die richtige Rechtsform ist, helfen beim Businessplan und begleiten die steuerliche Anmeldung.
Mehr über AVGS GründercoachingMit dem fertigen Businessplan kannst du anschließend den Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit beantragen. Dieser sichert dir in der kritischen Startphase dein eigenes Einkommen, während du dein Einzelunternehmen aufbaust.
Gründungszuschuss beantragenMach den kostenlosen Gründungs-Check und finde heraus, ob das Einzelunternehmen die richtige Rechtsform für dich ist – oder ob eine GmbH oder UG langfristig besser passt. Wir prüfen gemeinsam dein Konzept und klären, ob eine Förderung für dich in Frage kommt.
Kostenlosen Gründungs-Check machenHinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts‑, Steuer‑ oder Finanzberatung. FoundingFits bietet keine Rechtsberatung oder Steuerberatung an. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an einen Steuerberater, Rechtsanwalt oder eine andere fachkundige Stelle. Alle Angaben ohne Gewähr.